Almoradí: eine wiederaufgebaute Stadt im Herzen der Vega Baja
Almoradí ist eine lebendige Marktstadt am Nordufer des Segura, nahe der Mitte der Vega Baja und etwa 15 Kilometer von Orihuela entfernt. Sie hat etwas über 20.000 Einwohner. Im Zentrum ist fast nichts älter als 1829, denn damals zerstörte ein Erdbeben Almoradí; die Stadt wurde nach einem neuen Plan beinahe völlig neu gebaut.
Das Erdbeben von 1829 und das Raster
Am 21. März 1829 machte ein starkes Erdbeben mit Zentrum in der Vega Baja, oft nach dem nahen Torrevieja benannt, Almoradí dem Erdboden gleich. Zeitgenössische Berichte sprechen von kaum einem stehenden Gebäude und rund 200 Toten. Auch der ältere Straßenplan der mittelalterlichen und andalusischen Stadt verschwand.
Den Wiederaufbau leitete José Agustín de Larramendi, der als erster spanischer Bauingenieur gilt und aus Madrid zur Schadensaufnahme in der Comarca entsandt wurde. Für Almoradí entwarf er eine orthogonale Stadt: einen zentralen Platz mit geraden, breiten Straßen, die sich rechtwinklig schneiden. Die Breite war Absicht. Larramendi hatte gesehen, wie enge Gassen durch gegeneinander stürzende Häuser mit Trümmern gefüllt wurden, und gab den Menschen bei einem künftigen Beben Fluchtraum. So entstand das ruhige, regelmäßige Zentrum von heute um Plaza de la Constitución und Kirche San Andrés.
Nach der Katastrophe stellte sich die Stadt unter den Schutz des gegen Erdbeben angerufenen San Emigdio. Jeden 21. März wird noch eine kurze Bittandacht gehalten; die großen San-Emigdio-Feiern mit einem Umzug in Renaissancekostümen finden Anfang August statt.
San Andrés, Casino und Theater
Die Kirche San Andrés schließt eine Seite der Plaza de la Constitución. Der Bau des 19. Jahrhunderts mit langem verputztem Schiff und symmetrischer Front samt zwei quadratischen Glockentürmen ersetzte den 1829 verlorenen Tempel. Alte Ficus-Bäume beschatten den Platz und bilden ein dauerhaftes Dach im Zentrum.
Zwei weitere Bauten tragen das städtische Leben. Das Casino ist ein Gesellschaftsclub aus dem 19. Jahrhundert; das restaurierte Teatro Cortés wird weiterhin bespielt. Neben der Landwirtschaft hat Almoradí eine alteingesessene Möbelindustrie, und sein großer Samstagsmarkt zieht Käufer aus dem ganzen Bezirk zu frischen Erzeugnissen.
Wasser und Artischocke
Almoradí lebt von seiner Huerta. Segura-Wasser verwaltet eines der alten Bewässerungsgerichte der Vega Baja, das Wassergericht des Azud de Alfeitamí, dessen eigene Gerichtsbarkeit auf eine königliche Urkunde von 1583 zurückgeht. Diese Gerichte verteilen Bewässerungszeiten und schlichten Streit unter Erzeugern, die sich Kanäle teilen – ein unmittelbar aus andalusischer Praxis stammendes System.
Die Artischocke ist die Signaturkultur. Die alcachofa der Vega Baja ist eng mit Almoradí verbunden, das am ersten Märzwochenende einen nationalen Artischockenkongress veranstaltet. Auf der Plaza de la Constitución werden gemeinsam Artischocken über offenem Feuer geröstet, während örtliche Restaurants Gemüsegerichte servieren. Die historische Wander- und Radroute Ruta del Agua verbindet Bewässerungskanäle, Wassergericht und renaturierte Uferabschnitte südlich der Stadt.
Almoradí besuchen
- Das Zentrum ist kompakt. Plaza de la Constitución, San Andrés, Casino und Teatro Cortés liegen nur Minuten auseinander.
- Am Samstagmorgen mit laufendem Markt erlebt man die Stadt am geschäftigsten.
- Die Ruta del Agua ergänzt einen längeren Spaziergang oder eine Radtour in die Huerta.
Für den größeren Zusammenhang erklärt der Führer zum Wassererbe von Rojales dasselbe Bewässerungssystem an seiner Flussquerung; Benijófar zeigt wenige Kilometer flussabwärts die kleindörfliche Variante dieser Huerta-Geschichte.
Quellen und Prüfung
Geprüft im August 2026 anhand des Tourismusdiensts der Comunitat Valenciana, Almoradís Denkmalverzeichnis, des Museo del Terremoto und Berichten über das Vega-Baja-Erdbeben von 1829 und sein zweihundertjähriges Gedenken. Fest- und Markttage ändern sich; prüfen Sie vor der Reise aktuelle örtliche Angaben.